Erste Schritte in einer Burka

von Deeba Bint Thomas

        


Das erste Mal, das ich eine Burka sah war 1985. Ich schaute gerade eine Sendung über die russische Invasion in Afghanistan und mein erstes Gefühl war Empörung und Mitleid für die so gekleidete Person, welches aber auch durch ein kleines Gefühl zu wissen abgemildert wurde, selbst gerne eine zu tragen. Bis zum Jahr 2000 wuchs dieses Gefühl mit der Zeit langsam in mir heran.


Das Jahr 2000 das Jahr der Burka

Das war das Jahr, als ich dem Drang zur Verschleierung endgültig erlag. Ich beschloß, so genau wie ich konnte, die islamischen Grundsätze zu leben und nach Berücksichtigung aller Auffassungen und dem lesen des Korans entschied ich mich zu bedecken.

Ich begann mit Abayas, halben und, mit der Zeit, vollen Niqaabs. Die Erkennbarkeit blauer Augen unter einem halben oder einem ungeschirmten Vollniqaab führte zu unerwünscher Aufmerksamkeit. Also wechselte ich zum Vollniqaab mit Augenschleier. Von dort war es ein logischer Schritt, es mit einer Burka zu versuchen.

Es braucht Zeit ein Geschäft das diese verkauft zu finden. Nach der Bestellung erwartete ich die Lieferung, der Tag kam und das Paket traf ein. Da war sie, meine erste Burka. Weil ich die Farbe schon immer mochte, hatte ich grün gewählt.

Ich zog sie nicht sofort an, sondern legte sie auf den Boden und schaute sie mir an. Die vergitterte Gesichtsbedeckung blickte mich an und ich dachte: „Ist dies nun die Hinnahme der Unterdrückung oder die Annahme der Befreiung?“

Nach einer Weile hob ich die Burka auf und zog sie langsam über mich. Die Welt verengte sich. Ich war von Stoff und Dunkelheit umhüllt und als ich erstmals durch das Gitter nach draußen schaute, fühlte ich, daß ich drinnen, und die Welt draußen war. Alles was Die sehen können ist die Burka und alles was ich erkennen konnte, war der beschränkte Blick, den mir das Gitter erlaubte. Keine seitliche Sicht. Nur geradeaus um sich des rechten Weges versichern zu können. Ich fühlte mich erfüllt und ein innerer Friede überkam mich.

Etwas später lief ich erstmals durch meine Wohnung. Es dauerte ein bischen meine, umhüllende und hinderliche, äußere Schale in Ordnung zu bringen und zu lernen kleinere Schritte zu machen um unnötige Verwicklungen zu vermeiden. Diesen Nachmittag ging ich nach draußen, sicherstellend, daß ich einen Hijab, einen Halbniqaab, Jiljab und Abaya, freie Bewegung noch schwieriger machend, unter der Burka trug.

In einer Burka draußen zu sein war eine weitaus ungewöhnlichere Erfahrung, als die die ich drinnen gemacht hatte. Meine Sicht der Welt war auf den winzigen und verschwommenen Blick beschränkt den das Gesichtsgitter erlaubte. Es ist wie als habe man einen etwas abgetönten Rost über jedem Auge. Und das braucht einen Moment zur Gewöhnung. Ich fühlte mich in der Welt, aber für mich und getrennt von ihr. Ich im Innern, während sie draußen war.

Und drinnen war es warm, sehr warm. Und ich wurde beobachtet. Die Leute in Nord-London sind es gewöhnt verschleierte Frauen zu sehen, aber selten in einer afghanischen Burka.

Aber jetzt können die Leute mich nicht mehr länger nach meinem Aussehen beurteilen, sondern müssen herausfinden wer die wirkliche Person in ihrem Innern ist.


Gedanken über die Burka

Burkas können ein Mittel der Befreiung und der Unterdrückung sein. Sie befreien, wenn die tragende Person es möchte und zielt im allgemeinen auf die Gesellschaft, sie wie sie sind zu akzeptieren und nicht das, was ihr Aussehen suggeriert.

Sie sind unterdrückend, wenn sie den Widerwilligen aufgezwungen werden und sicherlich ein Mittel der Kontrolle. Vollständig verhüllt spreche ich, im Unterschied dazu wenn ich unbedeckt bin, nicht ohne angesprochen zu sein. In dieser Beziehung hilft mir das vollständige bedeckt sein durch die Burka mich selbst zu kontrollieren. Aber gezwungen sie zu tragen, ist sie ein Innstrument aufgezwungener Kontrolle.

Die Burka ist für mich ein Zeichen der Freiheit zu sein, wer ich bin und nicht was die Gesellschaft erwartet das ich sein und wie ich aussehen sollte. Und es ist meine Entscheidung gewesen eine zu tragen. Niemand hat mich dazu gezwungen, es sei denn Allah hat mich zu ihr geführt.............


Tag für Tag als Niqabi lebend

Eine in einem überwiegend nichtmuslimischen Land lebende Niqabi ist an den meisten Orten ein ziemliches Novum.

Wo ich lebe, sind sie glücklicherweise nicht so. Man wird nicht allzu sehr angestarrt.

Die typisch richtige Niqabikleidung, langes formloses Kleid, damit meine Körperformen nicht sichtbar sind, wie es der Koran verfügt, dann ein Hijab oder ein Kopftuch um mein Haar zu bedecken und manchmal einen Khimar. Das sind die Auflagen des Koran wie ich sie verstehe. Soweit ich sagen kann ist die Übereinstimmung unter den Lehrern betreffs des Niqab: `Es ist nicht fard, d.h. nicht obligatorisch, aber sehr empfohlen.´ Daher habe ich mit dieser Empfehlung gelebt. Für mich ist es fard.

Wen ich will, trage ich einen Halbniqab zu hause. Es gibt keine Verpflichtung dies zu tun. Das bin einfach ich.

Wenn ich nach draußen gehe, das versuche ich so wenig wie möglich zu tun, trage ich eine Abaya, Halbniqab, darüber ein Vollniqab mit Augenblende und falls nicht das, dann eine Burka mit einer Abaya, Hijab und einem Halbniqab darunter.

Lebensmitteleinkauf ist eine lästige Pflicht, hat man es aber erstmal ein paar Male vollständig bedeckt gemacht, gewöhnt man sich daran und schaut genau auf die Dinge, da entweder die Augenblende oder das Burkanetz die Sachen schwer erkennbar macht. Auch die Kassenangestellten schauten immer schockiert aus, wenn sie eine offensichtlich britische Stimme unter dem Schleier hörten.

Die Leute reagieren in unterschiedlicher Weise. Entweder leben sie einfach damit, daß sie dein Gesicht nicht sehen können, oder sie werden ein bisschen ausfällig. Aber das ist deren Problem.


Leben in Purdah

Außer zur Arbeit und anderer notwendiger Ausflüge, bleibe ich so oft ich kann zu hause, nehme das Telefon nur ab, wenn ich die Nummer des Anrufers kenne und ich gehe nicht an die Tür, ausgenommen es ist dringend. Besuche von Technikern eines Versorgungsunternehmens stellen ein Problem dar, weil viele von diesen erwarten ein Gesicht zu sehen. Aber zum Glück ist das selten. Meine Zeit wird mit Lernen oder dem Chat mit Freunden gleicher Überzeugung verbracht. Ein Leben der verhüllten Einkehr und dem gemeinsamen teilen von Ideen.



Von unserer Emaildiskussion betreffend Laura (in den Countessgeschichten) und ihrem Problem damit, zur Verschleierung gezwungen zu sein (in der aktuellen und nächsten Geschichte), hat Deeba mir (Dave) erlaubt ein Extrastückchen hinzuzufügen.

„Mit mir ist ist das sehr viel einfacher - steck´ mich in einen Niqab und ich bin, es sei denn es wird mir etwas anderes gesagt, still. In dieser rosa Kleidung habe ich ein ganzes Wochenende so verbracht. Er hat einen dreilagigen Augenschleier, alle Lagen in rosa. Alles was ich sehen konnte war ein rosa Nebel und es war großartig entspannend.“

Ich muß sagen, daß ich, mit drei das Gesicht bedeckenden Lagen, versucht hätte, diese schon nach wenigen Minuten herunterzureißen. Für mich beweist das den Grad der Hingabe, die eine Muslimah durch ihren Glauben erlangen kann.